Was bedeutet deja vu?

Ein Déjà vu ist eine Erinnerungstäuschung: Man hat das starke Gefühl, eine aktuelle Situation schon einmal genauso erlebt zu haben – obwohl Zeit, Ort und Kontext dieser vermeintlichen „Vorerfahrung“ unklar oder unmöglich sind.

Das Wort kommt aus dem Französischen (déjà = schon, vu = gesehen). 

TL;DR

  • Definition: Kurzer Eindruck unbegründeter Vertrautheit – „schon erlebt“, ohne echte Erinnerung. 
  • Ursprung: Wahrscheinlich Fehlzündungen/Fehlzuordnungen im Temporallappen (Schläfenlappen) und im Gedächtnissystem
  • Häufigkeit: Sehr verbreitet – etwa 50–90 % der Menschen erleben es irgendwann. 
  • Warnzeichen: Häufige Déjà-vus, besonders mit Auren/weiteren Symptomen, können auf eine Temporallappenepilepsie hinweisen → ärztlich abklären. 
  • Gegenteil: Jamais-vu – Vertrautes wirkt plötzlich fremd

Wie entsteht ein Déjà vu? Die wichtigsten Erklärungen

  • Vertrautheit ohne Erinnerung („Familiarity vs. Recollection“): Unser Gedächtnis kann Vertrautheit signalisieren, ohne dass eine konkrete Erinnerung vorliegt – eine Fehlzuordnung genügt. Das erklärt das starke Gefühl „das kenne ich“, obwohl nichts Abrufbares existiert. 
  • Temporallappen & Hippocampus: Erkenntnisse (u. a. aus Epilepsieforschung) legen nahe, dass Temporallappenareale und hippocampale Netzwerke, die fürs Wiedererkennen zuständig sind, beteiligt sind. 
  • Doppelte Verarbeitung/Asynchronie: Eine klassische Hypothese besagt, dass fast identische Sinneseindrücke minimal zeitversetzt ankommen/ verarbeitet werden; der zweite fühlt sich dann wie „bereits erlebt“ an. 

Forschung fasst zusammen: Déjà-vus wirken „mystisch“, lassen sich aber neurokognitiv plausibel erklären – endgültig geklärt ist der Mechanismus noch nicht. 

Wie oft – und bei wem?

Umfragen berichten, dass etwa 50–90 % der Menschen mindestens einmal im Leben ein Déjà vu hatten. Häufiger tritt es bei jüngeren Erwachsenen, Müdigkeit/Stress oder in Träumen auf; bei gesunden Menschen meist vereinzelt und flüchtig

Medizinischer Kontext: normal vs. abklärungsbedürftig

Einzelne Déjà-vus sind typisch und harmlos. Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn:

  • Déjà-vus sehr häufig auftreten oder länger dauern,
  • zusätzlich Auren (z. B. Geruchs-/Geschmackserlebnisse, Magenaufsteigen, Angst) vorkommen,
  • es Hinweise auf Temporallappenepilepsie gibt (z. B. „dreamy state“, Bewusstseinseintrübung, Automatismen). 

Verwandte Phänomene – kurz erklärt

BegriffBedeutungMerker
Déjà vuGefühl unbegründeter Vertrautheit in aktueller Situation„schon gesehen/erlebt“ ohne echte Erinnerung. 
Jamais-vuGegenteil: Vertrautes wirkt plötzlich fremdKann ähnlich wie Déjà-vu auftreten. 
Déjà-vu bei EpilepsieDéjà-vu als Aura/Begleiterscheinung, besonders bei Temporallappen-EpilepsienHäufigkeit + Begleitsymptome sind entscheidend. 

Häufige Missverständnisse

  • „Déjà vu = Beweis für Übersinnliches“ – Nein. Seriöse Übersichten betonen normale Gedächtnis-/Wahrnehmungsprozesse als Erklärung. 
  • „Man kann es einfach im Labor auslösen“ – Kaum. Episoden sind kurz & unvorhersehbar, daher schwer experimentell zu fassen. 

Praktische Tipps

  • Gelassen bleiben: Einzelne, kurze Déjà-vus sind normal.
  • Kontext beobachten: Häufung oder auffällige Begleitsymptome dokumentieren und ggf. neurologisch abklären lassen. 
  • Neugier zulassen: Populärwissenschaftliche Beiträge (z. B. Spektrum, GEO, Quarks) erklären den aktuellen Stand gut verständlich. 

FAQ – Deja vu

Was bedeutet Déjà vu ganz genau?

Eine Erinnerungstäuschung: Man hält Gegenwärtiges fälschlich für bereits erlebt; Herkunft des Begriffs: frz. déjà vu („schon gesehen“). 

Wie entsteht es im Gehirn?

Vermutlich durch Fehlzuordnungen von Vertrautheit in Gedächtnisnetzwerken des Temporallappens (inkl. Hippocampus) – teils als Asynchronie in der Verarbeitung diskutiert. 

Wie häufig ist das?

Sehr verbreitet; 50–90 % hatten mindestens ein Déjà vu. 

Woran erkenne ich, ob es harmlos ist?

Kurz, selten, ohne weitere Symptome → meist harmlos. Häufig, mit Auren oder neurologischen Zeichenärztlich abklären (Temporallappen-Epilepsie möglich). 

Was ist der Unterschied zu Jamais-vu?

Jamais-vu ist das Gegenteil: Bekanntes fühlt sich fremd an. 

Quellen

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