Was bedeutet hochgradige Stenose?

Eine hochgradige Stenose ist eine starke Verengung eines Gefäßes, einer Herzklappenöffnung oder eines Körperkanals. Was „hochgradig“ genau heißt, hängt vom Organ und von der Messmethode ab (Prozent der Lumenverengung, Druckgradient, Durchflussmessung).

Grundsätzlich nimmt mit der Schwere die Wahrscheinlichkeit für Folgeprobleme (z. B. Ischämie, Schlaganfall, Herzinsuffizienz) zu und eine zügige Abklärung wird wichtig. 

Hochgradige Stenose – TL;DR

  • Allgemein: „Hochgradig“ = schwere Verengung; die Grenzwerte variieren je nach Fachgebiet. 
  • Typische Beispiele:
    • Halsschlagader (Carotis): schwer ab ≥ 70 % (NASCET). 
    • Kranzgefäße: ≥ 70 % (nicht-Hauptstamm) bzw. ≥ 50 % (linker Hauptstamm). 
    • Aortenklappe: schwer bei Vmax ≥ 4,0 m/s, Gradient ≥ 40 mmHg oder Öffnungsfläche ≤ 1,0 cm²
    • Lumbaler Spinalkanal: „hochgradig“ bei engem Duralsack ohne sichtbares Liquor-Signal (Schizas C/D). 
    • Nierenarterie: meist > 70 %; 50–70 % nur mit hämodynamischem Nachweis

Wie wird „hochgradig“ bestimmt?

Mediziner:innen nutzen je nach Organ morphologische (Prozent-Engstelle) und/oder funktionelle Kriterien (z. B. Druckgradient, Flussmessung):

  • Prozentuale Engstelle: Bei der Carotis wird international meist nach NASCET gemessen; hier gilt ≥ 70 % als schwere Stenose. (Wichtig: ECST und NASCET liefern unterschiedliche Zahlen; 70 % NASCET ≈ 85 % ECST.) 
  • Funktionelle Messung: In den Koronararterien gelten FFR/iFR oder Druckgradienten als Ergänzung zur Prozentzahl; ≥ 70 % bzw. ≥ 50 % im linken Hauptstamm werden traditionell als „signifikant“ genutzt. 
  • Klappenstenosen (z. B. Aortenklappe) werden echokardiografisch nach Geschwindigkeit/Gradient/Fläche eingeteilt; „schwer“ ist z. B. Vmax ≥ 4,0 m/s, Gradient ≥ 40 mmHg oder AVA ≤ 1,0 cm²
  • Spinalkanalstenose: MRI-Morphologie; bei Schizas C/D ist der Liquor um die Nerven nicht mehr abgrenzbar → hochgradig. 

Typische Schwellenwerte (Auswahl)

Region/ErkrankungWas bedeutet „hochgradig“?Hinweis
A. carotis interna (Hals)≥ 70 % nach NASCETSchwere Stenose, wichtig für Interventionsentscheidung. 
Intrakranielle Arterien70–99 %Schwer = hohes Rezidivrisiko; Leitlinien definieren 70–99 %. 
Koronararterien≥ 70 % (nicht-LM), ≥ 50 % (linker Hauptstamm)„Signifikant“; funktionelle Tests (FFR/iFR) ergänzen. 
AortenklappenstenoseVmax ≥ 4,0 m/s oder mittlerer Gradient ≥ 40 mmHg oder AVA ≤ 1,0 cm²Echokardiografie-Standard. 
Lumbale SpinalkanalstenoseSchizas C/D (kein sichtbarer Liquor)Qualitative MRI-Klassifikation. 
Nierenarterienstenose> 70 % (oder 50–70 % mit signifikantem Gradient/FFR)„He­mo­dynamisch signifikant“ erst mit Funktionsnachweis. 

Diagnostik – welche Verfahren werden genutzt?

  • Gefäße: Duplex-Sonografie, CTA/MRA, Angiografie; in Koronargefäßen zusätzlich FFR/iFR und IVUS (v. a. beim linken Hauptstamm). 
  • Herzklappen: Echokardiografie (TTE/TEE) mit Messung von Vmax, mittlerem Gradient und Klappenöffnungsfläche
  • Wirbelsäule: MRT der betroffenen Etage, Beurteilung nach Schizas (Morphologie des Duralsacks/Nervenwurzel-Bündels). 

Warum die Einstufung wichtig ist

Die Bezeichnung „hochgradig“ beeinflusst Therapieentscheidungen (z. B. CEA/CAS bei Carotis, PCI/CABG bei KHK, Klappenintervention bei AS). Bei symptomatischer hochgradiger Stenose sind Zeitfenster und Risiko-Nutzen-Abwägung zentral. Besprich individuelle Befunde immer mit deinem Behandlungsteam. 

hochgradige Stenose – FAQ

Was heißt „hochgradige Stenose“ in einfachen Worten?

Eine starke Verengung, die den Durchfluss deutlich beeinträchtigen kann und je nach Ort behandelt werden sollte. Die genauen Grenzwerte sind kontextabhängig

Warum gibt es verschiedene Zahlen (z. B. 70 % vs. 85 %) bei der Carotis?

Weil unterschiedlich gemessen wird. NASCET und ECST nutzen verschiedene Bezugsdurchmesser; 70 % NASCET ≈ 85 % ECST

Ab wann gilt eine Koronarstenose als „hochgradig“?

Klassisch ab ≥ 70 % (bzw. ≥ 50 % im linken Hauptstamm). Zusätzlich klären FFR/iFR die funktionelle Relevanz

Wie wird eine hochgradige Aortenklappenstenose definiert?

Typisch über Vmax ≥ 4,0 m/s, mittleren Gradient ≥ 40 mmHg oder Klappenöffnungsfläche ≤ 1,0 cm²

Was bedeutet „hochgradige Spinalkanalstenose“ im MRT?

Nach Schizas gelten Grade C/D als hochgradig: kein Liquor um die Nerven mehr erkennbar, enge Bündelung der Wurzeln. 

Quellen

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