Was bedeutet natives Olivenöl?
Natives Olivenöl (engl. virgin olive oil) ist naturbelassenes Olivenöl, das ausschließlich mit mechanischen Verfahren direkt aus Oliven gewonnen wird – ohne chemische Raffination.
Es ist die zweithöchste gesetzliche Güteklasse unter den nativen Ölen; darüber liegt „natives Olivenöl extra“ (Extra Vergine). Entscheidende Kriterien sind u. a. freier Säuregehalt (als Ölsäure) und eine Sensorikprüfung.
Natives Olivenöl – TL;DR
- „Nativ“ heißt naturbelassen: Gewinnung nur mechanisch, keine chemische Raffination.
- Grenzwerte: „Natives Olivenöl extra“ ≤ 0,8 % freie Säure; „natives Olivenöl“ ≤ 2,0 %. Beide müssen sensorische Vorgaben erfüllen.
- Lampant ist „natives Öl, nicht zum Verzehr geeignet“ (zur Raffination bestimmt); IOC nennt > 3,3 % freie Säure als Kriterium.
- „Kalt“ nur mit Regel: Erste Kaltpressung / Kaltextraktion sind optional erlaubte Angaben – nur < 27 °C und nur bei nativen/extra nativen Ölen.
- Küche: Natives (kaltgepresstes) Öl bringt Aroma, hat aber niedrigeren Rauchpunkt als raffinierte Öle.
Was bedeutet „nativ“ genau?
„Nativ“ bezeichnet Olivenöl, das direkt aus Oliven und ausschließlich mit mechanischen Verfahren (z. B. Mahlen, Zentrifugieren/Pressen) gewonnen wurde. Es wird nicht raffiniert. In der EU gehören „natives Olivenöl extra“ und „natives Olivenöl“ zu dieser Gruppe; sie unterscheiden sich vor allem in Säuregrenze und Sensorik.
Güteklassen im Überblick
| Kategorie (DE) | Kurzbeschreibung | Freie Säure (als Ölsäure) | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Natives Olivenöl extra | höchste nativen Güte; fruchtig, ohne sensorische Defekte | ≤ 0,8 % | EU/Kommission & IOC definieren Grenzwerte und Paneltest. |
| Natives Olivenöl | naturbelassen, kleine sensorische Fehler zulässig | ≤ 2,0 % | ebenfalls mechanische Gewinnung, strengere Labelregeln als bei Mischölen. |
| Olivenöl (Mischung) | raffiniertes Olivenöl + etwas natives Öl | n. a. (blended) | milder Geschmack; andere Vorgaben als bei nativen Ölen. |
| Olivenöl aus Oliventrester | aus Trester gewonnene Öle (raffiniert, ggf. verschnitten) | n. a. | eigene Kategorie in den EU-Vermarktungsnormen. |
| Lampant (nativ, nicht verkehrsfähig) | natives Öl nicht zum Direktverzehr | > 3,3 % (IOC-Standard) | nur zur Raffination oder technischen Zwecken. |
„Kaltgepresst“ / „Kaltextraktion“: Was ist zulässig?
Die EU regelt optionale Angaben streng:
- „Erste Kaltpressung“: nur bei nativem/extra nativem Öl, hydraulische Presse, < 27 °C.
- „Kaltextraktion“: nur bei nativem/extra nativem Öl, Perkolation/Zentrifuge, < 27 °C. Solche Angaben sind freiwillig, aber rechtlich konditioniert.
Kennzeichnung & Herkunft (Pflichttexte)
Für natives Olivenöl und natives Olivenöl extra gilt u. a.:
- Pflichtangabe der Ölkategorie mit definiertem Textzusatz (z. B. „erste Güteklasse – direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren gewonnen“ bei nativ extra).
- Ursprungsangabe (Herkunft) ist vorgeschrieben. Diese Anforderungen finden sich in den EU-Vermarktungsnormen und werden national kommuniziert.
Sensorik, Säure & Qualität – kurz erklärt
- Freie Säure ist ein Laborwert (Abbaustatus der Fettsäuren), kein Geschmackswert – trotzdem ein Qualitätsindikator: je niedriger (bei sonst gleichen Parametern), desto schonendere Verarbeitung. Die Grenzen für extra (≤ 0,8 %) und nativ (≤ 2,0 %) sind gesetzlich festgelegt.
- Sensorik (Paneltest): Extra darf keine Defekte zeigen und muss fruchtig sein; nativ darf sehr geringe Defekte haben.
Verwendung in der Küche
- Aroma & Finish: Natives/extra natives Öl bringt Sorten- und Herkunftsaromen (fruchtig, bitter, scharf).
- Erhitzen: Raffinierte Öle haben i. d. R. höhere Rauchpunkte und sind geschmacksneutraler; native Öle können bei sehr hohen Temperaturen schneller rauchen. Für mittlere Hitze und schonendes Garen ist nativ extra meist geeignet – sensorisch oft die bessere Wahl für Salate/Finish.
Einkaufstipps (kompakt)
- Kategorie prüfen: „nativ extra“ bzw. „nativ“ – die juristischen Bezeichnungen.
- Herkunft & Erntejahr: Herkunft ist vorgeschrieben; Erntejahr ist freiwillig, aber hilfreich für Frische.
- „Kalt…“-Angaben richtig lesen: nur zulässig < 27 °C und nur bei nativen Ölen.
- Seriosität: Wegen Fälschungen/Fehlkennzeichnung lohnt es sich, auf seriöse Händler/Prämierungen zu achten. (Die EU hat 2022 Konformitätskontrollen verschärft; Medien berichten über wiederholte Betrugsfälle.)
Natives Olivenöl – FAQ
Was heißt „natives Olivenöl“ – und wie unterscheidet es sich von „nativ extra“?
Beides sind naturbelassene Öle aus mechanischer Gewinnung. „Nativ extra“ hat strengere Sensorik-Vorgaben und eine niedrigere Säuregrenze (≤ 0,8 %) als „nativ“ (≤ 2,0 %).
Ist „kaltgepresst“ automatisch besser?
Nicht automatisch – es ist eine zulässige Angabe unter Bedingungen (< 27 °C). Entscheidend bleiben Sensorik, Frische, Herkunft und saubere Verarbeitung.
Was ist „Lampant“-Öl?
Ein natives, aber fehlerhaftes Öl, nicht zum Direktverzehr; es wird zur Raffination bestimmt. Der IOC-Standard nennt > 3,3 % freie Säure bzw. entsprechende Mängel.
Wofür nehme ich natives vs. raffiniertes Olivenöl?
Für Aroma (Salat, Dips, Finish, moderate Hitze) eignet sich nativ/extra nativ; raffinierte Öle haben höhere Rauchpunkte und sind neutraler (starkes Anbraten/Frittieren).
Quellen
- Europäische Kommission – Olivenöl (DE): https://agriculture.ec.europa.eu/farming/crop-productions-and-plant-based-products/olive-oil_de
- Europäische Kommission – Olivenöl (EN): https://agriculture.ec.europa.eu/farming/crop-productions-and-plant-based-products/olive-oil_en
- Delegierte Verordnung (EU) 2022/2104 (Kaltpressung/Kaltextraktion): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32022R2104
- IOC – Definitionen & Kategorien von Olivenöl: https://www.internationaloliveoil.org/olive-world/olive-oil/
- Verbraucherzentrale – Speiseöle & Rauchpunkt-Hinweise: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/speiseoele-welche-eignen-sich-fuer-was-38811
- Stiftung Warentest – Olivenöl „nativ extra“ im Test (Kontext Qualität): https://www.test.de/Olivenoel-im-Test-4971053-0/